Das Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg hat beim Amtsgericht Aachen einen Antrag auf Anordnung eines vorläufigen Eigenverwaltungsverfahrens gestellt. Nach Angaben der Geschäftsführung läuft die Versorgung der Patientinnen und Patienten uneingeschränkt weiter. Die Entwicklung ist auch für Brand und das Münsterländchen relevant: Das Haus gehört zum wohnortnahen Versorgungsangebot der Region.
Mit dem Verfahren will die Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg GmbH notwendige Sanierungsmaßnahmen geordnet umsetzen und ihre wirtschaftliche Situation stabilisieren. Als Gründe nennt Geschäftsführer Tobias Holzschneider gestiegene Kosten für Energie, Medizinprodukte und Personal sowie zusätzliche Belastungen durch bundespolitische Entscheidungen. Allein durch das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz erwartet das Unternehmen nach eigenen Angaben am Standort Stolberg ein zusätzliches Minus in Millionenhöhe.
Die Entscheidung für diesen Sanierungsweg sei frühzeitig gefallen, um auf die wirtschaftlichen Veränderungen reagieren zu können.
Patientenversorgung soll uneingeschränkt weiterlaufen
Für Patientinnen und Patienten ist vor allem die Fortführung des Betriebs von Bedeutung. „Die Versorgung der Patientinnen und Patienten läuft während des Prozesses uneingeschränkt fort“, erklärt Holzschneider. Auch die Löhne und Gehälter der Beschäftigten seien abgesichert. Lieferanten sollen nach Mitteilung des Unternehmens für Leistungen ab Verfahrensbeginn weiterhin pünktlich bezahlt werden.
Die Geschäftsführung bleibt im Amt. Holzschneider führt die Sanierung gemeinsam mit Rechtsanwalt Till Forster von der Kanzlei White & Case als Generalhandlungsbevollmächtigtem durch. Unterstützt werden sie von einem Restrukturierungsteam. Als gerichtlich bestellten vorläufigen Sachwalter nennt die Mitteilung Dr. Mark Boddenberg von der Kanzlei GÖRG.
Im Mittelpunkt stehen nach Angaben Forsters insbesondere die Neuordnung der Leistungsbereiche und des Personalaufwands. Konkrete Entscheidungen zu einzelnen Angeboten oder möglichen personellen Veränderungen nennt die Pressemitteilung bislang nicht.
Bedeutung über Stolberg hinaus
Die Zukunft des Bethlehem Gesundheitszentrums betrifft nicht allein die Stadt Stolberg. Auch für Menschen aus Aachen-Brand, dem Münsterländchen und dem benachbarten Breinig ist das Haus ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Versorgung im näheren Umfeld.
Zum Gesundheitszentrum gehören neben dem Krankenhaus die Kurzzeit- und Tagespflege Haus Lucia, das Ambulante Rehazentrum ZAP, das Sozialpädiatrische Zentrum sowie das Franziska Schervier Schul- und Bildungszentrum. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen rund 1.200 Mitarbeitende, ist der größte Arbeitgeber Stolbergs und verfügt über eine der größten Geburtshilfen Nordrhein-Westfalens.
Damit steht hinter dem Sanierungsverfahren die Frage, wie ein breites Angebot aus Krankenhausversorgung, Rehabilitation, Pflege und Ausbildung langfristig erhalten und wirtschaftlich getragen werden kann.
Tragfähige Perspektive wird geprüft
Dr. Christian von Klitzing, Hauptgeschäftsführer der Alexianer Gruppe, kündigt eine sorgfältige Prüfung der Voraussetzungen für eine tragfähige Zukunft des Hauses an. Zugleich verweist er auf die Unsicherheit für die Beschäftigten. Über den Verfahrensstand, anstehende Entscheidungen und deren Auswirkungen wolle man offen informieren.
Weitere Standorte der Alexianer Gruppe sind nach Unternehmensangaben nicht von dem Verfahren betroffen.
Für Stolberg beschreibt Holzschneider das Ziel so: „Unser Ziel ist es, das Medizinkonzept an die Bedürfnisse vor Ort anzupassen und zeitgleich wirtschaftlich tragfähig aufzustellen.“ Die Sicherung der wohnortnahen Versorgung bleibe Teil der Identität des Hauses. Wie die künftige Struktur konkret aussehen wird, soll sich im weiteren Verfahren klären.
Quelle: Pressemitteilung der Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg GmbH. Die Angaben zum Verfahren und zur Fortführung des Betriebs stammen aus der Unternehmensmitteilung.
Bildunterschrift: Die Patientenversorgung soll nach Angaben der Geschäftsführung während des Sanierungsverfahrens uneingeschränkt weiterlaufen. KI-generiertes Symbolbild – keine Aufnahme des Bethlehem Gesundheitszentrums.
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