Ahnengalerie der Tollitäten

6 x 11 Jahre: Prinz Hans IV.

Gedankenverloren sitzt Hans Ortmanns in seinem Sessel im Wohnzimmer, in der Hand ein Foto, das ihn als Brander Prinz Hans IV. zeigt. 1956 war der Textilkaufmann, beschäftigt im väterlichen Geschäft auf der Trierer Straße, kein Bürgerprinz. Diese Bezeichnung wird erst seit der Wiederführung der Brander Karnevalsprinzen 1995 genutzt.
Das Foto zeigt einen gutaussehenden 22-jährigen Brander im Prinzenornat, der stolz in die Kamera blickt. „Eigentlich war mein Hans kein Karnevalist. Karnevalsverrückt war ich immer und an Karneval immer gerne unterwegs“, blickt seine Frau Magda Ortmanns zurück. Karnevalsprinz sei er geworden, weil das seine Mutter und die Familie so gerne gehabt hätte, erläutert der rüstige 87-Jährige, der im Aachener Marienhospital geboren wurde. „Aber gezwungen worden, das Prinzenamt zu übernehmen, sei er nicht.“, erinnert sich Hans Ortmanns, der heute den Karneval nur noch am TV verfolgt. Zwei Vertreter des damaligen Komitees hätten bei seinen Eltern vorgesprochen, damit er Brander Prinz wird.

Zu seiner Zeit gab es mit der Prinzengarde „Brander Stiere“ und der Ersten Großen Brander KG zwei Karnevalsvereine in der eigenständigen Gemeinde Brand. Sein Hofstaat waren damals elf Prinzengardisten, die in Gardeuniform sein Gefolge stellten. Das damalige Prinzentum sei mit heute nicht zu vergleichen. Damals bestand die Aufgabe des Prinzen lediglich darin, als Repräsentant des Brander Karnevals Veranstaltungen zu besuchen und die Gäste zu begrüßen und Orden an die Verantwortlichen zu verleihen. An singende oder tanzende Prinzen war damals im Traum nicht zu denken.

Er erinnert sich an weit über 50 Auftritte in Brand, Krauthausen, Schmidt, Niederforstbach und Freund. Gastbesuche in Aachen waren nicht erlaubt und gar verpönt, so der rüstige Karnevalsrentner. Besonders sind ihm die Kappensitzungen in der Aula der Marktschule in Erinnerung geblieben. Die Kosten für die Prinzenzeit hat die Familie bestritten und der Abschluss seiner Prinzenzeit war ein großes Fischessen, das seine Mutter Katharina im heimischen Wintergarten an der Trierer Straße mit siebzig Teilnehmern ausgerichtet hat. Seine Prinzenkappe besitzt er auch nach 6 x 11 Jahren noch, das Prinzenkostüm wurde damals bei Hintzen in Korschenbroich ausgeliehen.

Nach seiner Prinzenzeit war Hans IV. Ortmanns zwölf Jahre Mitglied bei der Prinzengarde „Brander Stiere“. Während eines Auftritts im neuen Kurhaus 1968 verließ Ortmanns allein die Bühne und trat aus der Prinzengarde aus. Grund: bis heute unbekannt!

GSi/Foto/Repro: GSi